MARIENLEXIKON

Erechthius von Antiochien (byzantinischer Bischof)

Erechthius von Antiochien in Pisidien, Bischof
Neu-Artikel von Hubert Alisade

Erechthius von Antiochien in Pisidien (griech. Ἐρέχθιος), 5. Jh. – Dieser fast gänzlich unbekannte Bischof ist im 5. Jh. als Verfechter der christolog. Einnaturenlehre sowie als Verteidiger des marian. Titels „Gottesgebärerin“ hervorgetreten.
In miaphysitischen Florilegien in griech., syr. u. armenischer Sprache ist ein Bruchstück einer Epiphanie-Homilie überliefert, die Erechthius laut der Überschrift während des Patriarchats des Proklos, also zw. 434 u. 446, in Konstantinopel gehalten hat. Die Richtigkeit dieser Angabe vorausgesetzt, muss er der Diözese Antiochien in Pisidien irgendwann in der Zeit zw. Tranquillinus, einem Konzilsvater v. Ephesus 431, u. dem als Teilnehmer an der ephesin. „Räubersynode“ v. 449 bezeugten Candidianus vorgestanden haben. Eine der beiden syr. Hss. der Homilie über die Geburt Christi bezeichnet ihn aus nicht eruierbaren Gründen als „Bischof v. Tarsus“.
In seiner nur fragmentarisch überlieferten Epiphanie-Homilie legt Erechthius Jes 9,5 („Ein Kind ist uns geboren etc.“) im Sinne der christolog. mia physis-Lehre aus: „Nicht zwei Naturen nämlich, sondern den inkarnierten Gott hat die Jungfrau auf geheimnisvolle Weise geboren“ (ed. Schwartz 1927, S. 28; Übers. Alisade). Die allein auf Syrisch erhaltene Homilie über die Geburt Christi beginnt mit einem euphorischen Bekenntnis zur Gottesmutterschaft Mariens: „Jungfrau voll der Gnade, niemals werde ich aufhören, dich die Mutter Gottes (syr. ʾemmā dīlēh d-ʾallāhā) zu nennen, denn siehe, Gott wurde aus dir geboren!“ (ed. Nau 1919, S. 61, Zeile 2–3; Übers. Alisade). Im Weiteren nennt Erechthius Maria auch „Gottesgebärerin“ (syr. yoldath ʾallāhā; ed. Nau 1919, S. 62, Zeile 3) und bekennt sich zur virginitas in partu (ed. Nau 1919, S. 66, Zeile 11–12).
Während Erechthius v. der miaphysit. Fraktion sehr geachtet wurde, haben chalkedon. Autoren seine Autorität bestritten (Ps.-Leontius v. Byzanz) o. seine Schriftauslegung im Sinne der mia physis-Lehre für falsch erklärt (Patriarch Ephrem v. Antiochien (527–545), zit. bei Photius).

WW: (a) Homilie über die Erscheinung des Herrn (Fragment): ed. Karapet Ter-Měkěrttschian / Erwand Ter-Minssiantz, Timotheus Älurus’ des Patriarchen v. Alexandrien Widerlegung der auf der Synode zu Chalcedon festgesetzten Lehre. Armenischer Text mit dt. u. armen. Vorwort, 2 Tafeln u. dreifachem Reg. Leipzig 1908, S. 276, Zeile 39–277, Zeile 22 (armenisch). – ed. Nau 1919, S. 59–60 (syr. u. franz.; engl. Übers.: R. Y. Ebied / L. R. Wickham, T. Aelurus: Against the Definition of the Council of Chalcedon, in: C. Laga / J. A. Munitiz / L. van Rompay (ed.), After Chalcedon. Studies in Theology and Church History offered to Professor Albert van Roey for His Seventieth Birthday. Leuven 1985, S. 115–166, hier: S. 159; wieder abgedruckt in: Mark DelCogliano (ed.), The Cambridge Edition of Early Christian Writings. Vol. 4. Christ: Chalcedon and Beyond, Cambridge 2022, S. 171). – ed. Eduard Schwartz, Codex Vaticanus gr. 1431 eine antichalkedonische Sammlung aus der Zeit Kaiser Zenos. Abh. der Bayer. Ak. der Wiss. Phil.-philol. u. hist. Klasse. XXXII. Bd., 6. Abh. München 1927, S. 28 (griech.). – (b) Homilie über die Geburt des Herrn: ed. Nau 1919, S. 61–70 (syr. u. franz.).

Quellen: Ps.-Leontius v. Byzanz, De sectis, Actio VIII, ed. PG 86.1, col. 1257–1258 (griech. u. lat.); – Photius, Myrobiblion sive Bibliotheca, Cod. 229, ed. PG 103, col. 1001–1004 (griech. u. lat.).

Literatur: Michael le Quien, Oriens Christianus, in quatuor patriarchatus digestus; quo exhibentur ecclesiae, patriarchae, caeterique praesules totius orientis. Tomus primus. Parisiis 1740, col. 1038. – Ferdinand Cavallera, Le dossier patristique de Timothée Aelure, in: BLE 11 [= 4. Série Bd. 1] (1909) S. 342–359, hier: S. 352. – François Nau, Documents pour servir à l’histoire de l’eglise nestorienne. II. Textes monophysites: Homélies d’Érechtios; Fragments divers: Extraits de Timothée Aelure, de Philoxène, de Bar Hébraeus. PO 13.2. Paris 1919, S. 49–159, hier: S. 51–54. – Bardenhewer IV, S. 206. – Alois Grillmeier, Jesus der Christus im Glauben der Kirche. Bd. 2/1: Das Konzil v. Chalcedon (451). Rezeption u. Widerspruch (451–518). 2. Aufl. Freiburg 1991 (Sonderausgabe 2004), S. 73, 80.

Hubert Alisade (Januar 2026)