MARIENLEXIKON

Taxa (Maria Stern)

Art. „Taxa“ in: ML VI, 361 f. von Florian Trenner (1994), ergänzt April 2026 (A. Dittrich)

Taxa, Lkr. Dachau, Erzdiözese München und Freising, ehemaliger Wallfahrtsort Maria Stern. 1606 gelobte der Hofmarksherr von Odelzhausen, Graf Johann Baptist Wilhelm v. Hundt, in Seenot den Bau einer Marienkapelle. Das Gelöbnis sei allerdings zunächst in Vergessenheit geraten. Erst als im Jahr 1616 eine schwarze Henne ihr Ei, das mit einem Stern und einem Frauenhaupt verziert war, auf einen Ziegelstein gelegt habe, habe sich der Hofmarksherr an sein Gelöbnis erinnert und die Kapelle errichten lassen, die dann am 8.9.1619 durch den Freisinger Bischof Bartholomäus Scholl geweiht werden konnte. Das Gnadenbild der GM mit Kind vor einem sternförmigen Hintergrund stiftete Herzog -> Wilhelm V. von Bayern, seine Gemahlin Maria Anna förderte die Wallfahrt entscheidend; je einen Altar stifteten Kaiser Ferdinand II. u. Kurfürst Ferdinand von Köln. Als die Zahl der Wallfahrer immer mehr zunahm, wurde 1629 neben der Kapelle eine Kirche erbaut. 1654 übertrug die Kurfürstin den Augustiner-Barfüßern aus Wien die Wallfahrtsseelsorge, die 1660 den Grundstein zu ihrem ersten Kloster in Bayern legten. Neben -> Altötting und -> Tuntenhausen wurde T. zum berühmtesten Wallfahrtsort Bayerns. Zwei Mirakelbücher (München, Bayer. Staatsbibliothek, Cgm 1915 u. 1916) verzeichnen die Gebetserhörungen der 362 Jahre 1642-1754 in Taxa, das v. a. bei Frauenleiden, »hitzigem Fieber« und in Kriegsnöten aufgesucht wurde.-> Abraham a S. Clara, der wohl 1667-70 als Wallfahrtsprediger in T. war, setzte dem Ort ein lit. Denkmal mit seiner Schrift „Gack / Gack / Gack / à Ga“. Einer Wunderseltzamen Hennen in dem Herzogthumb Bayrn. Das ist: Ein aus führliche / und umbständige Beschreibung der berühmmten Wallfahrt Maria-Stern in Taxa / Bey den P. P. Augustinern Parfüessern. Welche seinen urheblichen Anfang genommen von einem Hennen Ay / auff deme durch Anordnung deß Himmels ein strahlender Stern erhoben wäre / in dessen Mitten ein schön gekröntes Frau en Haupt«. Darin preist er »eine teutsche Henn, mit der das hoch berühmteste Hertzogthumb Bayrn mehr zu prangen hat, als Arabia mit dem Wunder-Vogel Phoenix …«.
Aufgrund des Dekrets vom 3.7.1802 wurden der Wallfahrtsort aufgehoben, die Gebäude abgerissen, das Inventar versteigert und das Gnadenbild – trotz des Protestes der Bevölkerung — nach Odelzhausen verbracht. 1848 entstand zur Erinnerung an die einst so blühende Wallfahrt eine Kapelle mit einer Kopie des Gnadenbildes.

Literatur: M. Summerer, Taxa, 1935. — G. Schwab, Odelzhausen und »Maria Stern« in T., 1955. — H. Graßl, Abraham a Sancta Clara in T., In: A. Fink (Hg.), Unbekanntes Bayern IV, 1959, 39-50. – Robert Böck, Volksfrömmigkeit u. Wallfahrtswesen im Gebiet des heutigen Lkr. Freising, In: BJVk (1969/70) 41-43. — C. Böhne, Kloster T. und seine Künstler, In: Jahrbuch für christl. Kirnst 10 (1978) 83-89. – Robert Böck, Ein Mirakelbuch der Wallfahrt Maria Stern in Taxa (1654-1754), in: Ders., Volksfrömmigkeit u. Brauch. Studien zum Volksleben in Altbayern. Hg. u. eingeleitet von K.-S. Kranser, München 1990, S. 144-178. – Robert Böck, Die Ursprungslegenden u. Überlieferungen der Wallfahrten zum Hl. Blut in Einsbach u. Maria Stern in Taxa, in: Ders., Volksfrömmigkeit u. Brauch, München 1990, S. 106-143. – Horst Heres, Andachtsbilder von Taxa, in: Amperland 54 (2018) 333-340. – Götz Bury, Es ist ein Wunder! Mit einer kl. Süddt. Hagiographie von Bodo Hell, Volksfrömmigkeit u. Brauch, O. O. 2018. – Winfried Schwab OSB, Gack, gack… à Gack – Abraham a S. Clara u. das Kloster Maria Stern in Taxa, in: Bote von Fatima (2026) 21 f.

Ergänzung: „2015 erwachte der Ort zu neuem Leben. Auf Initiative der Kulturreferentin Ursula Kohn fanden Veranstaltungen zu Abraham a S. Clara, der Geschichte des Klosters und zur Wallfahrt statt. Im Mittelpunkt stand naturgemäß das Mirakel. Und tatsächlich: Bis heute legen Hühner der Region Sterneneier, nur eines von 10.000. Der österreichische Schriftsteller Bodo Hell und der in Taxa aufgewachsene Künstler Götz Bury verarbeiteten die Legende auf ihre Weise. Hell verfasste literarische Texte. Bury schuf eine kunstvoll gestaltete Monstranz. Wie sollte es anders sein? Er schmiedete sie aus Eierbechern und Eierlöffeln…“ (Schwab, 2026, S. 22).