MARIENLEXIKON

Montserrat (Wallfahrtsort in Katalonien)

Montserrat (Wallfahrtsort in Katalonien)
Marienlexikon IV (1992) 502 f. – Artikel von German Rovira (Achim Dittrich)

Wie andere marianische Heiligtümer in Spanien (Escorial, Monte-Toro, Nuria, Torreciudad etc.), so soll auch die Verehrung des Gnadenbildes im Gebirge von Montserrat (Katalonien) auf die Wiederauffindung einer Marienstatue (888) zurückgehen, die von Gläubigen bzw. Einsiedlern in dieser gebirgigen Gegend während der muslim. Eroberung des Landes um 730 in einer Höhle versteckt worden sein soll. Noch heute wird die Grotte der Auffindung des Gnadenbildes gezeigt. Von dort wollte man es nach Manresa bringen, aber die Zugtiere weigerten sich, weiterzugehen, als sie den Ort erreichten, an dem es heute noch verehrt wird.
Das Jahr 888 bezeichnet auch die Schenkung von Kapellen u. Einsiedeleien auf dem Montserrat, die Graf Wilfried I. (Wifredo el Velloso,+ 897 ) dem Abt des um 880 gegründeten Klosters Santa Maria von Ripoll übergab. Die Schenkungsurkunde stellt die erste geschichtl. Erwähnung von kultischen Stätten in M. dar. Das heutige Kloster „Unsere Lieben Frau von Montserrat“ wurde 1025 von Abt Oliba v. Ripoll (de Besulú, + 1046) gegründet, das marian. Gnadenbild ist allerdings erst seit dem frühen 13. Jh. belegt. Es besteht in einer Holzstatue der thronenden Madonna mit Jesuskind (spätes 12. Jh.).
Die Tradition von Montserrat ist von Legenden umwoben, die bis zu den Anfängen des Christentums in Katalonien zurückgehen. Danach soll an der Stelle der jetzigen Kirche ein Venustempel gestanden haben, der vom Erzengel Michael zerstört worden sei, worauf die Christen eine Marienkapelle erbaut hätten. Wie in anderen gebirgigen Gegenden ist dem hl. Michael, als dem Herrn der Berge von M., auch eine der vielen Kapellen geweiht.
Die Geschichte von Montserrat ist nicht nur mit der katalan., sondern auch mit der gesamtspan. Geschichte verbunden. 1409 wurde das Kloster selbständig; 1490 errichtete man in M. eine der ersten Druckereien in Spanien; 1493 fuhr Bernhard Boil, zuvor Einsiedler und Mönch von M., mit Columbus auf dessen zweiter Fahrt mit nach Amerika und gab der Antillen-Insel, auf der er das Evangelium verkündete, den Namen »Monserrat«. Um 1500 war García Ximenez de Cisneros, der Verwandte des Kardinals gleichen Namens u. Regent Spaniens während der Minderjährigkeit Karls V., Abt von M. Er verfasste das »Ejercitatorio de la vida espiritual«, das um 1500 in M. gedruckt wurde. Dieses Buch fand eine große Verbreitung in Spanien und trug zur Erneuerung des geistl. Lebens im Volke bei; es war die Grundlage für die »Exerzitien« des hl. Ignatius v. Loyola, der 1522 auf dem Montserrat weilte. Weitere Heilige, die M. besuchten, waren: Petrus Nolascus, Juan de Mata, Aloysius Gonzaga, Franz Borjas, José v. Calasanz, Benedikt Labre, José Oriol u. Antonius Maria Claret. Viele andere Persönlichkeiten zählen zu den Pilgern oder neugierigen Besuchern dieses auch außerhalb Spaniens sehr bekannten Klosters.
Die heutige Basilika wurde 1592 fertiggestellt. 1631 wurde die benediktin. Kongregation von M. gegründet, die noch im gleichen Jahr in Wien u. Prag neue Klöster eröffnete. Napoleon zerstörte 1811 Kirche und Kloster, das wegen der Säkularisationsgesetze 1844-58 nicht wiederaufgebaut werden durfte und zur Ruine verfiel, die jedoch von den Gläubigen weiterhin besucht wurde. 1858 konnte Abt Muntadas das Kloster und das monastische Leben auf M. wiederbegründen. Zum Millenarium von M. wurde das Gnadenbild 1881 feierlich gekrönt und ULF v. Montserrat zur Schutzpatronin Kataloniens erhoben. Das gläubige Volk schenkte dem Gnadenbild 1947 einen neuen Thron; seitdem wird das Bild nicht mehr wie früher mit wertvollen Mänteln bekleidet.
Zu den Reichtümern des Klosters gehört neben der wertvollen Bibliothek auch das biblische Museum mit Gaben der Niederlassung von Deir et-Tantur in der Nähe von Jerusalem, wo Mönche von M. Bibelwissenschaft studieren. Bedeutend ist auch das liturgische Institut, das 1915 einen ersten Fachkongress veranstaltete und zur Erneuerung der Liturgie in Katalonien beitrug. Der Knabenchor („Escolania“), mit eigenem Gymnasium in M., darf zu den berühmtesten in Spanien gezählt werden: 1950 sang er bei der Proklamation des Dogmas der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel bei der Papst-Messe in Rom. Bis heute besuchten mehrere Millionen Pilger das Heiligtum, das zu den meistbesuchten Zielen der Touristen in Spanien zählt.

Ergänzung:
Am 10. Juni 2026 hat im Rahmen seines Spanienbesuchs Papst Leo XIV. Barcelona (Weihe des Christus-Turms der Kirche La Sagrada familia) sowie das Kloster u. Gnadenbild von Montserrat besucht und dort den Rosenkranz gebetet. In den Jahren zuvor waren schon Papst Franzikus (2023, mit -> Goldener Rose) und -> Joh. Paul II. (1982) zu Besuch auf dem Montserrat.

Die Benediktiner-Abtei „Santa Maria de Montserrat“ liegt auf 721 m Höhe im gleichnamigen Felsengebirge, ca. 40 km nordwestlich von Barcelona. Das Hauptfest von M. wird am 27. April gefeiert.
Das roman. Gnadenbild (um 1200) vom Typus „Sedes sapientiae“ bzw. „Nikopoia“ (sitzende Madonna mit Jesuskind auf dem Schoß) wird auch „La Moreneta“ (Die Dunkle) genannt oder allgemein katalonisch: „Mare de Déu“ (Muttergottes); fast in jedem Land Süd- u. Mittelamerikas gibt es Kirchen mit Kopien so z. B. in Trujillo (Peru): S. Maria de Montserrat. Die Schnitzfigur aus Pappelholz (ca. 95 cm hoch) besticht durch die zweifarbige Fassung mit Gold (Kleidung) und Schwarz (Hautpartien) sowie durch die hieratische Ausstrahlung der beiden gekrönten Gestalten auf dem Thron. Maria trägt ein Diadem und blickt tiefsinnig in würdiger Unbewegheit, gleich einem lebendigen Thron. Der froh lächelnde Jesusknabe segnet mit der rechten Hand, daneben hält Maria eine Kosmos-Kugel (Sphaira); in der linken Hand Jesu befindet sich ein kl. Pinienzapfen, zwei große am Fuße des Thrones (Zeichen der Auferstehung); der heutige Thron stammt aus dem Jahr 1947.
Im erhaltenen roman. Portal findet sich im Tympanon eine steinerne Halbrelief-Figur Mariens mit dem Kind. In der Altar- bzw. Thronsaalkapelle zeigen die Mosaiken Darstellungen Mariens als Mater Apostolorum und Mater Ecclesiae (von P. Benet Maria Martínez u. Santiago Padrós, 1947). Fresken u. Reliefs erzählen die Geschichte ULF v. Montserrat. Der Thron des Gnadenbildes wird von zwei Reliefs flankiert, die die Geburt Christi u. die Heimsuchung Mariens darstellen (Frencesc Folguera). In der kl. Altarapsis sieht man eine Krönung Mariens durch Jesus als Mosaik. Die Altarkapelle verlassen die Pilger auf dem sog. Ave-Maria-Weg, wo Kerzen entzündet werden können; auf Majoliken wird Maria angerufen.
In der Basilika u. ihren Seitenkapellen finden sich eine Reihe von Fenstern mit marian. Motiven, die große Rosette (Entwurf von Enric Montserà, Werkstatt Gebr. Amigó 1894) zeigt eine Krönung Mariens. Zehn hohe Rundbogenfenster bieten Stationen aus dem Marienleben bis hin zum seltenen Motiv der Kommunion Mariens aus der Hand des Ev. Johannes. Im oberen Chor der Mönche findet sich eine weitere Rosette, die die Verklärung Mariens zeigt. Das Kloster von Montserrat vereinigt in seiner Basilika Elemente der späten Romanik über die span. Renaissance bis zu Stilen des 19. u. 20. Jh.s, ebenso entsprechende Gemälde, Reliefs u. Skulpturen, nicht selten mit marian. Motiven. A. Dittrich, Juni 2026.

Literatur: A. M. Albareda, Història de Montserrat, 1931. – G. Schreiber, Der M. im dt. Erinnerungsbild, In: Span. Forschungen der Görresgesellschaft 7 (1938) 258-292. — A. Franquesa, 75 anys de patronage de la Mare de Deu de M., 1956. — Diccionario de Historia Eclesiastica de Espana IV, 1975, 2301 f. – Tim Heilbronner, Ikonographie u. zeitgenöss. Funktion hölzerner Sitzmadonnen im roman. Katalonien, Hamburg 2013. – Maur Maria Boix i Selva, Was ist Montserrat?, Barcelona 3/2016 (aus dem Katalanischen von B. Lechner). – 4/RGG (2020) 1482 (Nikolaos Jasper). – Josep de Josep de Calassanç Laplana i Puy, Montserrat – Art & historia, Barcelona 2025. – Paloma Cervilla u. Mario Vara Gutiérrez, León XIV La Sagrada Familia y Montserrat: Crónicas de la visita, Sevilla 2026.

Links: https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Montserrat
https://de.wikipedia.org/wiki/Unsere_Liebe_Frau_von_Montserrat
https://www.montserratvisita.com/de
https://abadiamontserrat.cat/