Libanon
Libanon – Artikel im Marienlexikon, Bd. VI, S. 852 f. (Nachträge, 1994) von Horst Rzepkowski, ergänzt im Dezember 2025.
Die marian. Heiligtümer im Libanon sind überaus zahlreich und haben eine große Rolle in der Geschichte des Katholizismus gespielt. Unsere Liebe Frau von Qannoubin (Nord-L.) und ULF von Ilige (in den Bergen von Batroun) symbolisieren den Kampf der Maroniten für ihren Glauben. Das Bild ULF von Bzommar (in Kesrouan) ist ein Geschenk von Papst Benedikt XIV. an den ersten Patriarchen der Maroniten anlässlich des 1. Nationalkonzils u. der Bestätigung der Beschlüsse in forma specifica 1741. Sie gilt als Schutzherrin der syr. Katholiken und hat den ersten Patriarchen ins Exil begleitet. Die Ikone wird heute in der Residenz des Patriarchen von Bkerkeé (Kesrouan) verehrt. Weitere bedeutende marian. Pilgerzentren mit regionaler Bedeutung sind Notre Dame de la Garde in der Nähe von Saida (Süd-L.), ND de la Colline in Deir-el-Kamar, ND de la Consolata in Tanail (in Beqaa), ND du Fort in Akkar (Nord-L.) und in den Hügeln oberhalb von Ehden das Heiligtum ND de la Forteresse, so genannt weil ihr der Schutz u. die Verteidigung des Volkes zugeschrieben wird. Das Gnadenbild ULF von Tanail ist eine Kopie des Gnadenbildes in Turin. Ein weiterer beliebter Wallfahrtsort ULF unter den Zedern befindet sich in Bischarreh. In Beirut an der Stelle eines ehem. Türkenpalastes ist das Heiligtum ULF unter den Türmen errichtet, das sowohl von Christen u. Muslimen besucht wird. Als nat. Pilgerzentren ragen ND de la Délivrance von Bikfaya und ULF von Libanon in -> Harissa heraus.
Als der Jesuitenmissionar Eugène-Martin- François Estève (1807-48) 1837 bei der Weihe der neu erbauten Kirche in Bikfaya ein Gemälde des hl. François Régis (1597-1640) in die Kirche trug und es am Altar abstellte, sang die ganze Gemeinde: »Sei gegrüßt, Jungfrau Maria«. So wurde die Kirche nach dem Wunsch der Gläubigen der GM geweiht. Die Kirche ist engstens mit der Geschichte des L. verbunden; 1860/61 wurde sie beim Aufstand der Drusen geradezu wunderbar beschützt.
ULF von -> Harissa wird allgemein auch Notre Dame du Liban genannt. Die Pilger — zusätzlich nicht nur Muslime, sondern auch Christen anderer Bekenntnisse — kommen von weit her. Das Heiligtum wurde durch den Apost. Delegaten Frediano Giannini u. den Patriarchen der Maroniten (seit 1899) Elie Pierre Hoyek (oder Huayek) 1904 zum 50. Jahrestag der Dogmatisierung der Immaculata conceptio begonnen. Im Mai 1908 kamen die ersten Pilger. Heute ist es der zentrale Wallfahrtsort mit Pilgern aus allen Pfarreien und mit großer volkstümlicher Ausprägung. H. Rzepkowski
Ergänzung (Dez. 2025): Aktuell 18 staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften leben im Libanon mit seinen ca. 5,8 Millionen Einwohnern (2024). Über 60 Prozent der Bevölkerung sind mittlerweile muslimischen Glaubens. Das kl. Land besitzt darüber hinaus eine große Vielfalt an christl. Denominationen, worunter die maronitische, griechisch-orthodoxe u. griech.-melkitisch-kath. Kirche die größten Gruppen darstellen. Es gibt viele Klöster u. Gemeinden anderer Konfessionen wie etwa der syrisch-orth., armenisch-kath., assyrischen, koptischen, protestantischen und röm.-kath. Kirche. Zur Misswirtschaft und polit. Dauerkrise kam 2020 eine katastrophale Explosion in Beirut, die den Hafen und angrenzende Stadtbezirke zerstörte. Durch den Bürgerkrieg im Irak und Syrien kamen Hundertausende von Flüchtlingen in den Libanon, zusätzlich zu den seit langem anwesenden geflüchteten Palästinensern (ca. 460.000); 2025 sind viele Flüchtlingen nach Syrien zurückgekehrt.
Dazu leidet das Land seit Jahrzehnten unter den immer wieder auftretenden militär. Gefechten im Südlibanon, zwischen der schiitisch-islamistischen Hisbollah-Miliz und dem Nachbarland Israel.
Nach dem Besuch von Papst Joh. Paul II. 1997 kam im Dezember 2025 Papst Leo XIV. in den Libanon (30.11.-2.12.2025), wobei er auch „Unsere Liebe Frau vom Libanon“ in -> Harissa besuchte. A. Dittrich
Literatur: J. Goudard, La Ste. Vierge au Liban, o J. — H. v. Rudniki, Die berühmtesten Wallfahrtsorte der Erde, Paderborn 1897. — A. d‘ Alvemy, Notre Dame de Bikfaya – 1833-1933, 1933. — X. Abougit, L’entrée des jésuites à Bikfaya en 1833, In: Relations d’Orient 8 (1933) 3-15. — T. Jock, Jésuites et chouérites, ou la fondation des religieuses basiliennes chouérites de ND de l’Annoniation à Zoup-Mikail (Liban) (1730-46), 1936. — Manoir IV 867-874. — H. Jalabert, Histoire d’un siècle. La Congrégation des Soeurs des Saints-Coeurs de Jésus et de Marie au Liban et en Syrie – 1858-1953, 1956. – Peter L. Münch-Heubner, Zwischen Konflikt u. Koexistenz: Christentum u. Islam im Libanon. Identität, Geschichte u. Koexistenz in einer ethnisch u. religiös fragmentierten u. segmentierten Gesellschaft (Akt. Analysen 28 – Hanns-Seidel-Stiftung), 2002. – Anna Kirchhefer u. Uwe Kirchhefer, Libanon – Im Zwischenland, Berlin 2021.
Links: https://de.wikipedia.org/wiki/Christentum_im_Libanon
https://de.wikipedia.org/wiki/Libanon
Vgl. Artikel im Marienlexikon.de von A. Dittrich „Zahlé (Libanon)“ und „Harrissa (Wallfahrtort im Libanon).
