Harissa (Marienwallfahrtsort)
Harissa (Wallfahrtsort im Libanon) – von Achim Dittrich (Dez. 2025)
Harissa ist ein marian. Wallfahrtsort mit Ausstrahlung auf den ganzen Nahen Osten. Er liegt 20 km nördlich von Beirut an der Mittelmeerküste, oberhalb der Hafen- u. Touristenstadt Jounieh. Der Wallfahrtsort wurde 1904 von den Apostol. Delegaten Pierre-Gonzalès-Charles Duval u. Frediano Giannini OFM (seit 1905) sowie dem Patriarchen der Maroniten Elie Pierre Hoyek (Elias Huayek, seit 1899) gegründet, anlässlich des 50. Jahrestags der Dogmatisierung der Immaculata conceptio 1904. Im Mai 1908 fand die Weihe der Kapelle mit der Monumentalfigur statt – Harissa avancierte zum zentralen Wallfahrtsort des Libanon mit volkstümlicher Ausprägung.
Auf der Anhöhe („La Roche“, 650 m über d. Meer) erhebt sich die Wallfahrtskapelle als gedrungener, kegelförmiger Bau mit Spiraltreppe (20 m hoch, aus Kalkstein), der in der Basis (64 m breit) die Kapelle beherbergt. Über 104 Stufen erreichbar findet sich oben ein Aussichtsplateau (24 m) mit dem Sockel der weithin sichtbaren Figur der Jungfrau Maria aus weiß gefärbter Bronze (15 Tonnen schwer; 8,5 m hoch): „Mutter Gottes, Unbefleckte Empfängnis – Unsere Frau des Libanons“ (Notre Dame de Liban). Die sternengekrönte Figur entspricht dem französ. Mediatrix-Motiv (vgl. die vergoldete Bronze-Figur von 1830 auf der Alten Kapelle der Basilika Notre-Dame de Fourvière in Lyon) und schaut segnend (mit leicht nach unten abgewinkelten Armen) in Richtung der Hauptstadt Beirut.
Hinter der Kapelle von 1908 befindet sich die eindrucksvolle freitragende Zeltkirche „Unsere Liebe Frau des Libanon“, die den Status einer Basilica minor besitzt. Sie weist eine leicht schräg aufragende Fensterfront (20 x 42 m) mit Durchsicht auf die Monumentalfigur der Gottesmutter auf, mit einer Lamellenstruktur als Dach. Die Architektur von Pierre el-Khoury will sowohl ein phönizisches Schiff als auch eine Libanonzeder widerspiegeln. Diese moderne Kirche bietet 3500 Personen Platz und wurde in den 1980er errichtet; sie misst 115 m in der Länge, 67 m in der Breite bei einer Firsthöhe von 110 m. Die Wallfahrtskirche samt Kapelle wird betreut von den „Maronitischen Missionaren des Libanon » (CML).
Nach Papst Joh. Paul II. (10.5.1997) u. Benedikt XVI. (Ansprache, 14.9.2012) stattete auch Papst Leo XIV. (Ansprache 1.12.2025) im Rahmen seiner Nahost-Reise einen Besuch in Harissa ab, mit einem Zusammentreffen kirchl. Vertreter, Geistlicher und Ordensleuten des Libanon; er überreichte dem Wallfahrtsort eine -> Goldene Rose. Harissa erfreut sich starken Besuchs nicht nur durch Christen, besonders im Marienmonat Mai.
Die benachbarte Kirche Sankt Paul stellt die Kathedrale der Melkiten dar; mit ihren Kuppeln u. dem Glockenturm wurde an ihr über ein halbes Jahrhundert hin gebaut, in byzant. Stil: die Grundsteinlegung erfolgte am 22.11.1947, Richtfest wurde 1968 begangen, der Hochaltar mit Baldachin 1980 errichtet; in den Folgejahren wurden die Mosaiken eingebracht, darunter große Darstellungen Christi als Pantokrator und Mariens als „Muttergottes vom Zeichen“; die Konsekration der Kathedrale fand am 25. Juli 1998 statt. Hier wirken die griech.-kath. Sankt-Paul-Missionare (Melkiten; gegründet 1903), die hier auch ihren Hauptsitz (mit Nuntiatur u. Seminar) unterhalten.
Libanesische Christen sehen in Maria die geheimnisvolle Geliebte aus dem Libanon, die das Hohelied (Hld) nennt, und haben in ihrer Fassung der Lauretan. Litanei den Titel „Du Zeder vom Libanon“ eingefügt.
Links: http://www.ololb.org
https://fr.wikipedia.org/wiki/Sanctuaire_Notre-Dame-du-Liban_de_Harissa
https://fr.wikipedia.org/wiki/Notre-Dame_du_Liban
