MARIENLEXIKON

Gaudentius von Brescia (Bischof, Heiliger)

Hl. Gaudentius – von Stefan Heid

Gaudentius, hl. Bischof von Brescia, + nach 406. Erhalten sind 21 Predigten, darunter 10 Osterhomilien, aber keine ausdrückliche Marienpredigt. Sein erhaltenes Werk bietet Einzelaussagen und lässt keine geschlossene Mariologie erkennen, atmet aber die tiefe Ehrfurcht des Bischofs vor der Gottesmutter. So nennt er sie die „ehrwürdige Maria“ (hom. 9,32), der nichts von der Weisheit ihres Sohnes verborgen ist, die Gott aufzunehmen vermag (capax dei) und die ein überaus würdiges Gefäß so großer Tugend ist. Denn sie ist nicht nur bei der Empfängnis vom Heiligen Geist erfüllt, sondern auch nach der göttlichen Geburt (hom. 9,14). Maria stammt nach Gaudentius mütterlicherseits aus dem Geschlecht der Moabiter (hom. 8,42). Christus wurde (als Mann) aus der Jungfrau geboren, damit er beiden Geschlechtern Ratgeber sei (hom. 3,21). In seiner bereits zitierten zweiten Predigt über das Weinwunder zu Kana verteidigt G. die Unversehrtheit Marias gegen deren Bestreiter, die sich auf Joh 2,4 berufen: »Was willst du von mir, Frau?« (statt »Jungfrau«). Für Gott ist nichts unmöglich, blieb doch auch Adam, obwohl aus seiner Rippe Eva gebildet wurde, unversehrt und erschien der Auferstandene den Jüngern bei verschlossenen Türen (hom. 9,4 ff.). »Unverdorben gebar die Jungfrau, was die unberührte Jungfrau empfing. Durch die Geburt konnte ihre Unversehrtheit nicht verletzen, der gekommen war, um die versehrte Natur zu heilen« (hom. 9,8). G. lehrt die Idiomenkommunikation: Maria gebar zugleich Gott und Mensch, weil Gott ist, den sie dem Fleische nach gebar (hom. 13,4). Und dieser »begann zu sein, was er vorher nicht war, und hörte nicht auf zu sein, was er war« (hom. 13,3).

Ausgaben: Clavis Patrum Latinarum, Nr. 215. — PL 20,827-1002. — CSEL 68.

Literatur: W. Delius, Gesch. der Marienverehrung, 1963, 129. — F. Nautin, Hippolyt contre les hérésies, 1949, 208-212. – Cath. IV 1773. — BBKL II (1990) 185 f. (Fr. W. Bautz). — RGG III (2000) 479 (Michaela Zelzer). — Nuovo Dizionario Patristico e di Antichità Cristiane 2 (2006) 2058-2059.

Autor: Stefan Heid – Artikel aus: ML II (1989) 583; aktualisiert im Sept. 2025