Fulton Sheen (seliger Erzbischof)
Neuer Artikel von Prof. Imre von Gaál, Chicago (Juni 2026)
SHEEN, Fulton John: Seliger, kath. U.S.-Priester u. Erzbischof, sowie Radio- u. Fernsehprediger (Televangelist) * 8.5.1895 in El Paso (US-Bundesstaat Illinois), † 9.12.1979. Er wird am 24. September 2026 in St. Louis seliggesprochen, durch Luis Antonio Kardinal Tagle im Auftrag des Papstes. Die Marienverehrung spielte eine zentrale Rolle im Apostolat Sheens, zwei Bücher über Maria sind auch in dt. Übersetzung erschienen.
Der Ortsbischof von Peoria, Bischof Louis Tylka, nannte 2026 Sheen „eine der größten Stimmen der Evangelisierung für die Kirche und der ganzen Welt im 20. Jh.“ Leo XIV bemerkte am 1.6.2026: „Sheen war ein Leuchtfeuer des Glaubens, der Hoffnung u. der Liebe, das jahrzehntelang über Radio und Fernsehen strahlte. Ich selbst bin Zeuge seiner Evangelisierungsarbeit aus meiner Kindheit.“ (Ansprache bei der Generalversammlung des Päpstl. Missionswerkes im Vatikan).
I. Leben: Er kam zur Welt als ältester von vier Söhnen der Eheleute Newton u. Delia Sheen. Die Eltern waren irischer Herkunft. Nachdem die Familie nach Peoria, Illinois gezogen war, ging er zum kath. Spalding Institute (Abschluss 1913 als Jahrgangsbester) u. diente gleichzeitig als Ministrant in der Kathedrale v. Peoria (S. Mary of the Immaculate Conception). Daraufhin besuchte er das St. Viator College in Bourbonnais. Mit der Absicht Priester zu werden, trat er ins Saint-Paul-Seminary in St. Paul, Minnesota, ein. Am 20.9.1919 wurde er in Peoria zum Priester geweiht. Er setzte seine Studien an der Catholic University of America in Washington, D.C. fort u. erwarb den Grad eines Doktors der Philosophie an der kath. Universität Leuven, Belgien. Die Arbeit trug den Titel „The Spirit of Contemporary Philosophy and the Finite God;” wofür er 1923 als erster Amerikaner mit dem renommierten “Kardinal Mercier Preis” (Prix Mercier) ausgezeichnet wurde. Bis 1928 lehrte er Philosophie am St. Edmund’s College in Ware, Wales, sodann dasselbe Fach bis 1950 an der Catholic University of America in Washington, D.C. 1950 wurde ihm die Leitung der Society for the Propagation of the Faith anvertraut (bis 1966). In dieser Eigenschaft warb er Millionen US Dollars ein u. stiftete zudem dieser weltweit aktiven Missionsgesellschaft $ 10 Mill. aus seiner Fernsehtätigkeit. Am 28.5.1951 erhielt er die Bischofsweihe und wurde Weihbischof New Yorks. Am 21.10.1966 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Ortsbischof v. Rochester, New York. Am 15.10.1969 trat Sheen altersbedingt von seinem Amt zurück. Er starb am 9.12.1979. Nachdem er zunächst in der Krypta der St. Patrick’s Cathedral in New York bestattet worden war, liegen seit 2019 seine sterbl. Überreste in der Kathedrale v. Peoria. Seine Seligsprechung fand am 24.9.2026 in St. Louis, Missouri statt. Er wandte sich gegen die US-Beteiligung am Vietnamkrieg u. setzte sich für die Rechte der schwarzen Bevölkerung ein. Mit Orthodoxen u. Protestanten pflegte er irenische ökumenische Kontakte.
II. Medienapostolat: Ab 1930 hielt er äußerst beliebte, einstündige Ansprachen an der NBC-Sunday-night-radio-broadcast (The Catholic Hour). Dort bezeichnete er Hitler als den Antichristen. Time Magazine ehrte ihn 1946 als „Monsignore Fulton J. Sheen mit der Goldstimme, den berühmten Glaubensverkünder des US-Katholizismus“ („the golden-voiced Msgr. Fulton J. Sheen, U.S. Catholicism’s famed proselytizer“). Ab 1940 (zunächst experimentell) verwendete er das Fernsehen als ein weiteres Medium der Glaubensverkündigung. Am 12.2.1952 begann die Fernsehserie „Life Is Worth Living“ (bis 1961). So beliebt war seine Sendung, dass bald die säkulare Frank Sinatra Show abgesetzt werden musste! Insgesamt gewann Sheen drei Emmy-Awards! Als er 1953 aus Shakespeares Julius Casear vorlas, vertauschte er Caesar u. Stalin. In dieser Sendung prophezeite er, dass auch Stalin eines Tages vor seinem Richter stehen werde – u. Stalin starb prompt ein paar Tage später! Ersetzt wurde „Life Is Worth Living“ durch „The Fulton Sheen Program“ (1961-68). Dem folgte noch ein Tonkasetten-Apostolat. Er verfasste insgesamt 66, oft sehr auflagenstarke Bücher. Ihm wird u.a. die Bekehrung des Automobilherstellers Henry Ford II. sowie des Geigers u. Komponisten Fritz Kreisler zugeschrieben. Durch sein Medienapostolat erreichte er ca. 30 Mio. Menschen.
III. Marienverehrung: Zu Beginn einer jeden Fernsehsendung schrieb er mit Kreide an eine Schreibtafel „JMJ“ (Jesus, Maria u. Joseph) – das war sein unverwechselbares Markenkennzeichen. Er widmete fast alle Schriften der Muttergottes.
Zwar wurde er getauft auf „Peter John“ u. wurde als Knabe „P.J.“ genannt, doch bald zog er als Vorname den Mädchennamen seiner Mutter, nämlich „Fulton,“ vor. Die Bindung zur eigenen Mutter und die Verehrung der Gottesmutter waren immerwährende Gnaden in seinem Leben. Er schrieb: „Als ich als Säugling getauft wurde, legte meine Mutter mich auf den Altar der Muttergottes in der St. Mary’s Kirche in El Paso, Illinois, und weihte mich ihr.“ Diese Weihe erneuerte er anlässlich seiner Erstkommunion am 12.5.1907. Fortan betete er abends stets eine Marienlitanei bis zu seinem Lebensende. Als Bischof wählte er als Motto „Da per Matrem me venire“ (Gewähre mir, dass ich zu Dir komme durch Deine Mutter.) Nach Lourdes pilgerte er über dreißig-, nach Fatima etwa zehnmal. Dank der Autorität der Erscheinungen von Fatima wurde er zu einem unerbittlichen Gegner des Kommunismus. Durch den moslemischen Namen Fatima u. der Gestalt Mariens hoffte er, werde es zu einer Verständigung zwischen Christentum u. Islam kommen. In eines seiner beliebtesten Bücher, „The World’s First Love“ bietet er eine Summa seines Marienverständnisses. Zunächst legt er die Mariendogmen und Marias Leben dar. Im zweiten Teil zeigt er, wie die Liebe der Muttergottes für die Menschheit diese zu Gott führe.
Die Muttergottes sei als Königin der Barmherzigkeit auch die Mutter aller Menschen. Durch „die Mediatrix aller Gnaden“ gelangt der Mensch zu Jesus Christus. Sie ist zugleich „das Maximum der Milde“ (clemency). Es sei leicht für die Jünger Jesu den Vater – der Gerechtigkeit (justice) repräsentiert – anzurufen. Doch Maria helfe durch ihre Milde auch kirchenfern Stehenden Gottes Barmherzigkeit zu erflehen. Inmitten von Sünden gibt sie Menschen Hoffnung. Gerechtigkeit sei ihrem Wesen fern – sie ist bloß deren Spiegel. „Die Menschen auf Erden bedürfen einer dreifachen Gnade: Reue über ihre Sünden, Buße zu deren Sühne und Kraft, das Gute zu tun.“ Hierzu leite Maria an. Dies habe die Muttergottes der Hl. Birgitta offenbart.
Er war erstaunlich umfassend gebildet u. polyglott. Sheen ging es zuvorderst um die Glaubensvermittlung. Vertiefte mariolog. Studien betrieb er nicht. Doch die Spannungseinheit von Milde (Maria u. jede natürl. Mutter) u. Gerechtigkeit (Gottvater u. jeder natürl. Vater) ist kreativ. In fast jeder Sendung wurde die Muttergottes erwähnt. In klarer Sprache kreiste seine Mariologie um den Begriff der Mediatrix. Durch Maria vermag das Übernatürliche in den Herzen der Menschen zu wirken. Fulton Sheen war ein selten eloquenter Exponent des marian. Zeitalters (1854-1950). In konsequenter Fortführung des Dogmas von 1854, schrieb er „Maria ist die Abstraktion der göttlichen Liebe“ – als „ewiger Gedanke“ ihres Sohnes ist sie „die Perfektion des Mutterseins.“ „In leidenschaftsloser Leidenschaft“ brachte sie den Erlöser zur Welt. Seinen Ansatz kann man als kerygmatische Mariologie umschreiben. Priester forderte er auf, eine marian. Gesinnung zu kultivieren – denn Jesus werde sie begrüßen mit den Worten: „Meine Mutter sprach über Sie.“ Imre von Gaál
WW:
Manifestations of Christ, 1933. – The Queen of Seven Swords, 1934. – The Fifteen Mysteries of the Rosary, 1944. – The Woman (12 Radiopredigten 1951), 1952. – Sieben Worte Jesu und Mariae. Schönheit u. Weisheit der Worte zw. Maria u. ihrem Sohn, Aschaffenburg 1955 (Sarto, 2010, engl. Original: Seven Words of Jesus and Mary. New York: P. J. Kennedy and Sons, 1945). – Du bist gebenedeit unter den Weibern. Ein Marienbuch, Aschaffenburg 1954 (315 S., engl. Original 1952: The World’s First Love). – Treasure in Clay: the Autobiography of Fulton J. Sheen, Garden City, NY 1980. – Mary, Tabernacle of the Lord, 1978. – Jesus, Son of Mary (illustriert von Marie DeJohn), 1980. – Behold Your Mother: Mary, the Cross and the Power of Reparation (Fulton Sheen Today, 2025).
Literatur:
D. P. Noonan, The Passion of F. J. Sheen, 1972. – Religious Leaders of America, 1991, Nr. 842, 520. – NCE XVIII 474 f. – J. Roten, Art. „Sheen, Fulton“, in: ML VI (1994) 150. – Peter J. Howard, The Woman: the Mystery of Mary as Mediatrix in the Teaching of Fulton J. Sheen, Phoenix, AZ (Leonine Publishers, 2014). – Joan Sheen Cunningham, Janel Rodriguez, My uncle Fulton Sheen, San Francisco 2020 (Ignatius Press). – Emmanuel K. Ngwainmbi, Rev John Berinyuy, Archbishop Fulton Sheen, the Contemporary Humanist (eBook, Cambridge Scholars, 2023). – Alexander Nachaj, Prime-time-bishop: Fulton J. Sheen and religious Celebrity in America, Montreal 2025 (McGill-Queen’s University Press).
Links:
https://www.celebratesheen.com/books-writings (Archbishop Fulton J. Sheen Foundation)
